Streifenfluren

Die außergewöhnliche Landschaft des nordwestlichen Waldviertels besticht durch seine reiche Ausstattung mit vielfältigen Landschaftselementen. Eine mitteleuropäische Besonderheit der Flurgestaltung ist das zauberhafte STREIFEN- und TERRASSENLAND.

Das mühevolle Roden und Anlegen der Streifen war eine Meisterleistung bäuerlicher Landschaftsgestaltung unter primitivsten Bedingungen.

Viele Jahrzehnte der Isolation am Eisernen Vorhang haben hier ein doppeltes Erbe bewahrt:

Das kulturhistorische Erbe der Streifenfluren, das man durchaus mit dem Weltkulturerbe asiatischer Reisterrassen vergleichen kann.

Das außergewöhnliche Naturerbe der Kulturlandschaft, das durch seine hohe Naturnähe der Raine, Hecken und Bühel hervorsticht

Streifenfluren. Die planmäßige Besiedelung des nordwestlichen Waldviertels hat an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert begonnen. Es fällt auf, dass Dörfer und Fluren immer nach dem gleichen Muster angelegt worden sind. Hinter den Häusern der Angerdörfer teilte man entsprechend der Anzahl der Siedler das geöffnete Land samt Wäldern in möglichst gleichwertige Streifen. Diese Einteilung in sehr lange und schmale Bewirtschaftungseinheiten sollte offensichtlich die Chancengleichheit und Eigenständigkeit der einzelnen Betriebe wahren. Es ist auch gelungen, die drei Nutzungsarten Acker, Wiese und Weide kleinräumig zu verzahnen. Beeindruckend ist, dass sich diese charakteristische Streifenstruktur harmonisch in die Landschaft einfügt.

Stufenraine. Die Erosion des fruchtbaren Bodens an den Hängen verhinderte man durch die gut durchdachte Anlage von Terrassen mit ebenen Ackerflächen und abfallenden Rainen. Entsprechend alt sind vielerorts noch die Lebensgemeinschaften dieser Grenzstrukturen. Die Gesamtheit der Raine ist auf Grund ihrer gewaltigen Fläche ein hervorragend vernetztes Biotopverbundsystem mit hoher Naturnähe – ein Topspot der Biodiversität.

Die kleinschlägigen „Streifenflur - und Stufenrainlandschaften“ besitzen eine Ausnahmestellung internationalen Formats (Alleinstellung). Sie sind als typische Elemente teilweise bis heute fast vollständig erhalten geblieben. Besonders in jenen höher gelegenen und mit Steinblöcken versehenen Landschaftsbereichen in denen großflächige Zusammenlegungen selbst mit modernster Technik unrentabel waren und noch immer sind. Allerdings droht hier eine weitere Gefahr, eine flächendeckende Verwaldung mit Fichtenmonokulturen. Sie geschieht gegenwärtig in atemberaubendem Tempo: Pro Stunde wird die Fläche eines Fussballplatzes „versetzt“. Auch die ganz normalen Praktiken der Landschaftszerstörung wirken sich hier aus, allerdings noch etwas schaumgebremst. Kommassierung, Überdüngung, Pestizideinsatz, Zersiedelung, Bodenversiegelung, Wirtschaftsparks, Einkaufszentren und Landfraß durch Transitrouten beginnen auch hier ausgerechnet jenes Kultur-und Naturgut zu zerstören, das den unvergleichbaren Scharm des Streifen- und Terrassenlands prägt.

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