Lebensraum Wald
Das Ökosystem Wald war für die kuppenreiche Landschaft „Ober dem Manhartsberg“ namensgebend. Das Waldviertel war während der sogenannten Eiszeiten frei von Gletschern. Die eiszeitliche Vegetation ähnelte der Tundra des heutigen hohen Nordens, einer Kältesteppe mit widerstandsfähigen Flechten, Moosen, Gräsern und Sträuchern. Mit der steigenden Erwärmung vor etwa 12.000 Jahren wanderten allmählich die nach Süden zurückgedrängten Bäume wieder ein. Föhren und Birken, später Fichten und Eichen, dann Buchen und Tannen. Um Christi Geburt etwa kam es zur Herausbildung der heutigen natürlichen Waldverteilung
Die finstere und unheimliche Gegend des „Silva nortica“ für landwirtschaftliche Nutzung zu öffnen, bedeutete für die ersten Siedler harte Arbeit. So ist es verständlich, dass die Urbarmachung die im nordwestlichen Waldviertel an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert begann, nur langsam voranschritt und der Wald seine dominante Rolle über lange Zeiten hinweg behauptete.
Holz war früher der Rohstoff schlechthin. Vom Löffel bis zum Haus, vom Ochsenkarren bis zum Brennmaterial, fast alles bestand aus Holz. In großen Mengen wurden dann Bäume für die Glashütten (Holzkohle) und für die Holzdrift geschlägert. Für die Beförderung über Wasserwege waren Tanne, Buche und Bergahorn zu schwer, sie sanken tiefer ab als Fichten und verstopften die Gerinne. Manche Großgrundbesitzer heuerten im Winter daher Dorfbewohner an, um die Jungbäumchen der schweren Arten gezielt zu eliminieren („auszureißen“). So verhalf man der Fichte zur Vorherrschaft.
Allmählich hat sich die Fläche des „Silva Nortica“ sogar dramatisch verkleinert. Etwa zur Zeit der franziszäischen Katastralvermessung (1820/21) ist diesem Raubbau durch entsprechende kaiserliche Forstgesetze Einhalt geboten worden. Langsam nahm dann die Waldfläche wieder zu. Gegenwärtig schlägt das Pendel in die andere Richtung aus, Fichtenforste überwuchern ausgerechnet die prächtigsten Bereiche des Streifenlandes: Von oben betrachtet zeigen Laubgehölzstreifen (Parzellengrenzen), dass das offene Land noch vor wenigen Jahrzehnten bis zu den Kämmen der Bergkuppen gereicht hat. Bestand bisher der besondere Reiz des Waldviertels in der ausgewogenen Harmonie zwischen Wald und offener Landschaft, breiten sich nun Fichtenmonokulturen in erschreckendem Tempo aus (ein Fussballfeld pro Stunde !!). Das Waldviertel wird zum „Forstviertel“ aus Fichtenmonokulturen.
Experten warnten seit Jahrzehnten davor den Anbau von Fichtenmonokulturen weiter und weiter voranzutreiben. Sie stießen nur auf taube Ohren. Jetzt verschafft sich - allerdings schmerzhaft - „Professor Borkenkäfer“ plötzlich Gehör. Im Verein mit häufigen Dürrephasen (Klimawandel) vernichtet er zurzeit ganze „Fichten-Landstriche“. Berge von Totholz säumen die Wege, der Abtransport kommt kaum nach. Voller Wehmut spricht man neuerdings von der Stabilität ehemaliger urtümlicher Wälder. Spärliche Reste solch naturnaher Mischwälder findet man aber nur mehr an wenigen Stellen, wie zum Beispiel an besonders steilen und schlecht zu bewirtschaftenden Abhängen. In den tieferen Lagen wuchs ursprünglich artenreicher Laubmischwald, ab 600-700m ein Fichten–Buchen-Tannenwald. Diese Grenze wird allerdings durch die Erderwärmung laufend nach oben verschoben werden.
Es dauert bekanntlich viele Jahre, bis sich wieder ein neuer stabiler Wald entwickelt hat. Die Vielfalt seiner Ökosystemleistungen wird er im Jugendalter nur geringfügig erfüllen können. Vor allem das Fehlen ausreichender Wasserspeicherung könnte bewirken, dass es zu trocken wird und an Stelle des Waldes eine Steppenlandschaft entsteht. Beginnen wir besser heute als morgen Mischwälder zu pflanzen, Keimzellen dafür sind im Streifenland da und dort schon zu finden.
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