Lebensraum Feldrain
Die "Flurbereinigung" (Kommassierung) hat Feldraine vielerorts fast vollständig verschwinden lassen. Feldraine sind entstanden, um Abgrenzungen des Besitzes zu schaffen und um verschiedene Kulturpflanzen voneinander zu trennen. Außerdem konnte man in steinigen Gegenden wie dem nordwestlichen Waldviertel die reichlich vorhandenen Klaubsteine gleich neben dem Acker deponieren und ersparte sich so ihren mühevollen Abtransport.
Zwischen den lose aufeinander geschlichteten Steinen verschiedenster Größe entstehen viele neue Lebensräume für eine große Zahl von Tieren. Der Wind lagert sowohl feinen Staub als auch Pflanzensamen dort ab. Die besondere Pflanzenwelt der Feldraine sorgt für eine willkommene Bereicherung zwischen den monotonen Monokulturen. Schritt für Schritt erobern Kräuter, bunte Blumen und Zwergsträucher das Netzwerk der Raine und erfüllen die Landschaft mit Leben. Durch sie erfährt der Speiseplan der Tiere eine wesentliche Bereicherung. Trockenheit und Wärme zeichnen die höher liegenden Raine besonders aus, da hier das Wasser rascher abrinnt und das Gestein die Sonnenenergie vorzüglich speichert. Im Windschatten der Erhöhungen lassen sich außerdem Kälte und Wind besser überdauern. Bodenbrüter legen hier ihre Nester an. Kleinere Tiere können, gut gedeckt im Schutz der Pflanzen, die für Beutegreifer leicht einsehbaren Felder überqueren. Gerade vom Feldrain aus kann die durch Überdüngung schwer geschädigte Welt des Ackerbodens auch immer wieder neu belebt werden
Rebhuhn und Feldhase sind bereits schutzwürdig geworden! Netzartig zusammenhängende Feldraine wie wir sie im höher gelegenen Waldviertel noch finden, sorgen für Deckung, sie liefern den Erwachsenen Samen von Wildkräutern und Zwergsträuchern, aber auch Kleininsekten, die von den Rebhuhnküken als Nahrungsquelle unbedingt gebraucht werden. Ebenso kommt die rasche Abtrocknung und Wärme der erhöhten Raine vor allem den Tierkindern zugute. Nach Schlechtwetterphasen ist Trockenheit für sie besonders wichtig.
Ein überaus reizvolles und bestimmendes Element des oberen Waldviertels sind die Stufenrainlandschaften. Mit ihren Terrassen erzeugte man einerseits ackerfähige Ebenen, andererseits wurden die „schrägen Raine“ zu Orten neuer Vielfalt, die auch der Mensch zu nutzen lernte. Die Flächen dieser Böschungen sind deutlich größer als die Flächen der schmalen Raine ebener Gebiete. In ihrer Gesamtheit bilden sie eine Riesenfläche, die dem Begriff Natur sehr nahe kommt.
An anderen geneigten Flächen wie Wegrändern, Bahndämmen oder Teichböschungen haben sich ähnliche Lebensgemeinschaften entwickelt. Besonders die nach Süden geneigten Böschungen sind durch Blütenreichtum und Artenvielfalt ausgezeichnet. Kommt noch sandiger oder steiniger Untergrund dazu, entstehen wenn sie noch gemäht werden, ideale Verhältnisse für kleinflächige Magerrasen. Eine Besonderheit ist an Nordböschungen zu finden. Wenn hier die stark verminderte Einstrahlung der Sonne ähnliche Verhältnisse wie zum Beispiel in lichten Föhrenwäldern erzeugt, kann die gesamte Böschungsfläche von Heidekraut oder Heidelbeersträuchern besiedelt sein.
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