Lebensraum Acker
Besonders in den höher gelegenen Bereichen des nordwestlichen Waldviertels haben die Hangneigungen der hügeligen Landschaft und ganz besonders die Granitblöcke, aber auch die Eigenwilligkeit und zähe Verbundenheit der Ureinwohner mit der väterlichen Scholle, Zusammenlegungen in großem Stil verhindert. Das hat die uralte, oft zitierte, abwechslungsreiche und kleinflächige Struktur dieser Kulturlandschaft bis heute erhalten. Kornblumen oder Mohnblumen, die vielerorts durch Intensivlandwirtschaft schon verschwunden sind, gibt es noch da und dort, neuerdings bewusst auf Brachflächen gepflanzt. Sie sind die farbigen Tupfer auf dem „i“ der landwirtschaftlichen Nutzung.
Wahrscheinlich haben sie sich schon gefragt, was Äcker, also Musterbeispiele für Monokulturen, im Hinblick auf Vielfalt hier verloren haben. Ein Blick auf das Landschaftsmosaik des oberen Waldviertels mit blühenden Erdäpfel-Mohn-Flachs-oder Rapsfeldern zeigt deren optisch wirkende Bereicherung. Sie erzeugen aber auch verschiedenartigste Nahrung aus Blüten, Früchten, Blättern und Wurzeln nicht nur für Menschen, sondern auch für eine Vielzahl von Tieren. Natürlich betrifft diese positive Einschätzung nur Flächen mit biologischer Bewirtschaftung. immer früheres Totspritzen der Hackfrüchte, extrem rascher Stoppelsturz, keine Zwischenfrüchte und vermehrter Pestizideinsatz hingegen fördern nur den Artentod.
Gewisse Äcker können, wenn sie schonend behandelt werden, aus der Sicht der Biodiversität auch durchaus wichtige und reizvolle Biotope sein, denn sie ermöglichen einer Fülle von Pflanzenarten, die es sonst bei uns nicht gäbe das Leben in unseren Breiten. Meistens sind es winzige und anspruchslose Pflanzen, die überhaupt nicht imstande sind, den Kulturen irgendeinen Schaden zuzufügen. Sehr oberflächlich werden alle im Begriff „Unkraut“ zusammengefasst und bekämpft. Die Erhaltung solch höchst interessanter und hübscher kleiner Kostbarkeiten wird wahrscheinlich nur mehr durch museumsartige Schauäcker in Naturparken möglich sein.
Im nordwestlichen Waldviertel gibt es zum Beispiel die „Lämmersalatflur“ gerade noch. Diese schutzbedürftige atlantische Wildkrautgesellschaft ist in Österreich nur im Raum Gmünd–Litschau auf mageren Standorten zu finden. Früher war sie im Wald-und Mühlviertel weiter verbreitet. Sie ist aber gerade an ihrer klimatischen Verbreitungsgrenze gegen Veränderungen der Umwelt besonders empfindlich und vor allem durch intensivere Düngung vom Aussterben bedroht. Neben dem Lämmersalat treten als bezeichnende Arten Bauernsenf und Kleinfrüchtiger Ackerfrauenmantel auf.
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