Lebensraum Teich

Das niederösterreichische Waldviertel, ein Hochland mit Mittelgebirgscharakter, das geologisch zu einem großen Teil von der Böhmischen Masse gebildet wird, ist reich an Teichen, die in weiten Teilen des Waldviertels, vor allem in den Bezirken Gmünd, Waidhofen/Thaya und Zwettl, ein landschaftsprägendes Element darstellen. Insgesamt gibt es im Waldviertel über 1000 Teiche, mit einer Gesamtfläche von 1650ha. Die zum Teil schon Jahrhunderte alten, bis zu mehr als 50 ha großen Gewässern mit reich strukturierten Ufern und Verlandungszonen, sind nicht zu unrecht oft als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Hier kann sich Flora und Fauna wunderbar entfalten. Der unbedarfte Besucher meint oft, es handle sich um natürliche Seen, die, wie die mächtigen Granitblöcke, seit jeher Teil der bekannten Waldviertler Landschaft sind. Die Enttäuschung ist aber nicht besonders groß, wenn sie dann erfahren, dass die Teiche vielmehr von Menschen geschaffene Gewässer sind, weil diese durch ihre Geschichte, Nutzung und Bedeutung noch an Faszination gewinnen.


Während in Südböhmen Teichanlagen bereits im 11. und 12. Jahrhundert entstanden, finden sich die ersten urkundlichen Erwähnungen von Teichen für das Waldviertel im späten 13. Jahrhundert. Sie waren in der Regel in klösterlichem oder herrschaftlichem Besitz und wurden für die Fischzucht, hauptsächlich Karpfenzucht, errichtet.
Die vier größten Teiche sind der Gebhartsteich, der Winklauerteich, der Haslauerteich und der Jägerteich mit einer jeweiligen Fläche von 41-57 ha.


Die Jahrhunderte alte Karpfenzucht im Waldviertel ist "Hand-Werk" und "Natur-Wissenschaft" im wahrsten Sinne des Wortes, ein nicht mehr wegzudenkendes Kulturgut der Region. Charakteristisch ist die naturnahe Bewirtschaftung. Dadurch fungieren die Teiche als wertvolle Ökosysteme der Natur. Die Nahrungsbasis der gezüchteten Fische sind tierischen Kleinstlebewesen (Plankton). Durch Zufütterung von Getreide wird der Ertrag noch leicht gesteigert.


Traditionsgemäß findet im Herbst das "Abfischen" der Teiche statt. Dieses Ereignis lockt alljährlich zahlreiche interessierte Zuschauer an. Dabei wird das Wasser der Teiche fast zur Gänze abgelassen und die Fischer, ausgestattet mit Wathosen und wetterfester Kleidung, holen mit großen Zugnetzen die Fische zum Ufer und heben sie anschließend mit Keschern aus dem Wasser. Das Produkt, ein äußerst gesundes und sehr nachhaltig gezüchtetes Nahrungsmittel, hat sich dabei, über die Region hinaus, zum kulinarischen Highlight etabliert.
Aus all diesen Gründen hat die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft die Anerkennung als Landwirtschaftliches Kulturerbe (GIAHS- Auszeichnung der FAO) erhalten.

(Text von Thomas Kainz)

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