Lebensraum Fluss

Der Hauptanteil der Fließgewässer des oberen Waldviertels gehört zur Kategorie der Mittelgebirgsbäche. Drei Waldviertler Flusslandschaften sind besonders hervorzuheben. Nur teilweise „saniert“ sind sie abschnittsweise von höchster Qualität. Ihr unschätzbarer Wert wurde durch die Initiative „Lebende Flüsse“ hervorgehoben. Sie sind zum Teil als Nationalpark, Naturschutzgebiet, Naturdenkmal, Ramsar-Gebiet oder Natura 2000 Gebiet ausgezeichnet. In „Bilder Fluss“ sind auch ihre Zubringer (Bäche und Gräben) dokumentiert.

Kamp

Die waldreiche Mittelgebirgslandschaft im Bereich von Karlstift, Sandl und Liebenau ist das Quellgebiet für Kamp, Lainsitz, Maltsch und Waldaist und sorgt für deren ökologische Vernetzung. Den Großen Kamp zeichnet in seinem ersten 49km langen naturnahen Verlauf bis Zwettl Abwechslungsreichtum aus. Waldreiche, schluchtartige und mit großen Granitblöcken versehene Abschnitte wechseln mit breiteren Wiesenbachbereichen und Auwaldresten ab. Drei schon fast verschwundene Arten leben hier noch, die Flussperlmuschel, der Fischotter und der Edelkrebs. Nach Zwettl ist der Fluss durch Stauseen zerstört. Wie diese Täler vorher ausgesehen haben, zeigt eindrucksvoll das 14,2 km lange Stück von Wegscheid bis Rosenau. Smaragdeidechse, Schwarzstorch und alle vier heimischen Nattern, Ringel-, Schling-, Würfel- und Äskulapnatter, fühlen sich hier wohl. Ein besonderes Naturjuwel das nicht zerstört werden darf!

Lainsitz

Der Ursprung der Hauptwasserader des nordwestlichen Waldviertels liegt am Eichelberg (1.010 m) bei Karlstift. Kurz verlässt die Lainsitz als kleiner Mittelgebirgsfluss österreichisches Gebiet und fließt durch Tschechien. Bei Joachimsthal kehrt sie wieder nach Österreich zurück. Bis St. Martin durchquert sie als schmaler Wiesenfluss die Täler. Nach St. Martin beginnt sie dann den Charakter eines Mittelgebirgsflusses eindrucksvoll zu zeigen. Zwischen Schöllbüchl und Schützenberg erzeugt ein enger, klammartiger, fast alpin anmutender Taleinschnitt eine prächtige Landschaft. Vor Weitra lädt das Naturdenkmal „Gabrielental“ zu reizvollen Wanderungen ein. Vorbei am westlichen Ausläufer des Wallers bei Unserfrau wird die Lainsitz dann zum gemächlichen Tieflandfluss. Von Unter-Lembach bis Ehrendorf hat sie das übliche Schicksal der Flussverbauung erfahren. Erst der „Grenzflussabschnitt“ vor Gmünd mit seinen „Horstnahen Storchenwiesen“ (Naturdenkmal) ist ökologisch wieder bedeutsam.

Die herausragende Besonderheit jedoch ist das 7 km lange Naturschutzgebiet Lainsitzniederung von Gmünd bis zur Staatsgrenze. Wenn sich eine Landschaft dem Rhythmus eines wilden Tieflandflusses, der noch frei und unsaniert in der selbst geschaffenen Niederung pendeln darf anpassen kann, entsteht Vielfalt und Qualität. Das „Life-Projekt“ Natura 2000 hat die Niederung als Top-Region der Vielfalt ausgezeichnet: 29 (!) Arten, darunter 16 zum Teil hochgradig gefährdete wurden entdeckt. Sensationell ist auch die Zahl jener Arten, die unter strengstem EU-Schutz stehen. Gleich vier Lebewesen der „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien“ und der „Vogelschutz-Richtlinien“ gibt es hier: den weltweit gefährdeten Wachtelkönig (Vogel), den Dunklen- und den Hellen Ameisenbläuling (Schmetterlinge) und die Grüne Keiljungfer (Libelle).

Thaya

Von ihrem waldviertler Ursprung bei Schweiggers bis zur Mündung in die March bietet die Thaya alles an Vielfalt und Abwechslungsreichtum, was ein Fluss nur bieten kann. Drei Strecken zeigen Spitzenqualität, die ersten beiden liegen im Waldviertel.

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